Aus meinem Leben

Dr. Hansmartin Lochner Ich habe einen etwa ungewöhnlichen Lebensweg hinter mir. So hätte ich mir als junger Mensch doch niemals träumen lassen, dass ich im Alter einmal als katholischer Priester tätig sein würde. Als Oberfranke – 1926 in Neustadt bei Coburg geboren – wuchs ich ja in einer rein evangelischen Umgebung auf, und alles Katholische war mir zutiefst fremd und befremdlich. Luther hat übrigens in meiner Heimatstadt 1530 gepredigt und angeblich sogar ein Kinderfest gestiftet.

Obwohl ich als Kind für alles Religiöse sehr offen war und die biblischen Geschichten kannte und liebte, entdeckte ich als Heranwachsender allerlei Widersprüche, so dass meine Glaubenszweifel mehr und mehr zunahmen. So ist mir schon im Alter von etwa 11 oder 12 Jahren das „synoptische Problem“ bewusst geworden. Ich dachte mir damals: Da haben doch nicht vier verschiedene Personen je ein eigenes Evangelium verfasst. Vielmehr hat einer vom anderen abgeschrieben.

Auch sagte man mir – der Lehre Luthers entsprechend – daß der Mensch keinen freien Willen habe. Ich dachte mir dann: Wenn der Mensch keinen freien Willen hat, dann ist er für die Sünde auch nicht verantwortlich. Daß es Sünde gab und daß sie mich bedrängte, das spürte ich wohl, aber ich wußte nicht, ob und wie man sie überwinden kann. Zu Hause sagte man mir – der Lehre Luthers entsprechend: Du bist Sünder und du bleibst Sünder. Der Glaube ändert daran nichts. „Aber warum soll ich dann überhaupt glauben?“, fragte ich zurück. Antwort: „Weil du als gläubiger Christ am Ende deines Lebens in den Himmel kommst und nicht in die Hölle, wie du es eigentlich verdient hast.“

Jung wie ich war, interessierte mich mein Lebensende damals noch recht wenig. Erst als ich durch die Begegnung mit meiner späteren Frau vorsichtig anfing, mich mit dem katholischen Glauben zu befassen, hörte ich, daß Gott uns die „heiligmachende Gnade“ schenken möchte. Ich ahnte sehr schnell, daß das genau jene Hilfe war, nach der ich mich schon immer gesehnt hatte. So war mein Schritt, der mich 1949 zur katholischen Kirche geführt hat, eher eine Konversion vom Unglauben zum Glauben als lediglich ein Konfessionswechsel.

Als ich 1951 mein Studium der Zeitungswissenschaft, Volkswirtschaft und Geschichte beendet hatte und an meiner Doktorarbeit schrieb, heirateten wir, und unsere Ehe wurde in der Folgezeit mit sechs Kindern gesegnet. Ich fand zwar keine Anstellung in der katholischen Presse – wie ich es gewünscht hatte – dafür aber doch in einem katholischen Verlag bzw. an der Hoheneckzentrale (Hamm/Westf.), die sich besonders um den Jugendschutz und die Abwehr der Suchtgefahren kümmerte. Zwölf Jahre später rief mich Kardinal Döpfner nach München, um dort die katholische Erwachsenenbildung aufzubauen. Es ging mir damals besonders darum, die Gemeinden mit den Beschlüssen des 2.Vatikanums bekanntzumachen und die Laienarbeit zu fördern. Bald merkte ich aber, daß die Fundamente unseres Glaubens immer mehr ins Schwanken kamen, und diese Krise erfasste mehr oder weniger uns alle – angefangen von unserem Kardinal bis hin auch zu mir und meinen Mitarbeitern.

Mitten in dieser Umbruchszeit schenkte mir Gott völlig überraschend und ohne jedes Verdienst eine ganz neue Gottesbegegnung und Geistausgießung, über die ich in meinem „Zeugnis“ berichte. Die Folge war, daß ich danach Ausschau hielt, wie ich das neu Erkannte – dem an mich ergangenen Anruf entsprechend – an andere Menschen weitergeben konnte. Ich wurde schließlich zum (hauptberuflichen) Diakon geweiht und konnte in Münchner Gemeinden seelsorgerisch tätig sein.

Als meine Frau 1981 völlig überraschend erkrankte und 1982 starb, erbat ich für mich noch die Priesterweihe.Trotz wiederholter Absagen erlebte ich, daß der Herr mich auf wunderbaren Wegen führte und leitete, denn ohne IHN hätte sich für mich der Weg zum Priestertum nicht geöffnet. (Ich berichte darüber unter „Zeugnisse“ und „Mein Weg zum Priestertum„). Nach längerer Wartezeit und einem Theologiestudium in Benediktbeuern wurde ich schließlich 1987 geweiht und am Primiztag zum Pfarrverwalter der Pfarrei Agatharied (in der Nähe des Schliersees) ernannt. Fünf Jahre später ging ich in den Ruhestand und widme mich seitdem dem Aufbau der Charismatischen Erneuerung in München und Umgebung. Darüber hinaus ist es mir natürlich ein besonderes Anliegen, meinen 13 Enkelkindern jenen „Schatz im Acker“ zu vermitteln, den ich selbst finden durfte.
Dr. Hansmartin Lochner.